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Die Waldeidechse (Zootoca vivipara)

Waldeidechse
Die Waldeidechse ist die einzige einhei-
mische Eidechse, die keine Eier legt. Die Jungtiere entwickeln sich im Mutterleib. Foto: Thomas Reich (WSL)

Interessant: In den Pyrenäen und im Ostalpenraum (Slowenien, Oberitalien und Kärnten) leben Populationen der Waldeidechse, die Eier legen - wie die anderen Eidechsen.

Waldeidechsen sind unterschiedlich braun gefärbt, mit mehr oder weniger deutlich ausgeprägten hellen und dunklen Flecken und Fleckenreihen auf dem Rücken. Die Jungtiere sind fast einheitlich schwarzbraun. Es gibt vereinzelt auch schwarze Adulttiere.

Die kleinste Eidechse der Schweiz kommt in unterschiedlichen Lebensräumen vor. Deshalb wird die Waldeidechse oft auch Bergeidechse oder Mooreidechse genannt.

Verbreitung und Lebensraum

Die Waldeidechse ist ein Tagtier mit verhältnismässig geringen Wärmeansprüchen. Sie ist die am weitesten nach Norden vordringende Reptilienart und erreicht sogar das Nordkap. Im Süden bilden die Pyrenäen, der Alpenbogen und die Rhodopen die Verbreitungsgrenze.

Die Waldeidechse ist die Eidechse mit der grössten Verbreitung in der Schweiz. Vor allem im Berggebiet der Alpennordseite und im Jura kommt sie in geeigneten Lebensräumen überall vor und ist stellenweise häufig. Im Mittelland, im Wallis und im Tessin wird sie deutlich seltener beobachtet.

In den tieferen Lagen lebt die Waldeidechse in Waldlichtungen und Aufforstungen, an Wald- und Wegrändern und in Mooren. In höheren Lagen bewohnt sie Mauern und Lesesteinhaufen auf Alpweiden, lichte Bergwälder sowie Block- und Geröllhalden. Sie kommt dabei weit über 2000 m.ü.M. vor. Totes Holz spielt im Leben der Waldeidechse eine wichtige Rolle. Die Tiere zeigen beim Sonnen eine starke Präferenz für Alt- und Totholz, Holzhaufen, Baumstümpfe, aber auch für Prügelwege, Uferstege und Holzbrücken.

Verbreitung der Waldeidechse in der Schweiz
Verbreitung der Waldeidechse in der Schweiz: Beobachtungen
vor 2000 (orange) und nach 2000 (rot). Stand: 01.12.2009.
Copyright KARCH/CSCF.

Lebensweise

Waldeidechse auf Baumstrunk
Eine Waldeidchse sonnt sich auf totem Holz. Bild anklicken zum vergrössern.
Foto: Niklaus Peyer

Ähnliche Arten:

Die Mauereidechse (Podarcis muralis) sieht der Waldeidechse ziemlich ähnlich. Diese Echse findet man in der Nordschweiz jedoch hauptsächlich in tiefen Lagen und sie bevorzugt trockenere und wärmere Lebensräume als die Waldeidechse.
Die Zauneidechse (Lacerta agilis) kommt nur selten über 1000 m vor. Nur die Weibchen können mit der Waldeidechse verwechselt werden, denn die Männchen sind meist deutlich grün gefärbt.

Die Aktivitätsphase dauert in tiefen Lagen von Mitte März bis im Oktober. Im Berggebiet ist sie kürzer. Als einzige einheimische Eidechse ist die Waldeidechse lebendgebärend. Dadruch ist sie weniger an optimale Bodenbeschaffenheit gebunden als die eierlegenden Arten und kann in kältere und feuchtere Lebensräume vordringen. Man begegnet ihr deshalb auch auf sumpfigen Wiesen und Hangrieden, sofern trockene und sonnenexponierte Felsbrocken oder Wurzelstöcke ihr genügend Ruheplätze und Versteckmöglichkeiten bieten. Die aus der Vegetation herausragenden Ruheplätze erlauben es den trächtigen Weibchen, dem wechselnden Sonnenstand folgend, sich und damit die in ihrem Leib heranwachsenden Jungen ständig der Sonnenwärme auszusetzen.

Die Nahrung besteht zur Hauptsache aus Gliederfüsslern: Spinnen, Grillen, kleine Käfer, Fliegen, Raupen und Ameisen.

Gefährdung und Schutz

Die Waldeidechse gehört zu den am wenigsten gefährdeten Reptilien. Populationseinbussen entstehen vor allem durch Zerstörung ihrer Lebensräume, etwa von Mooren und Heiden, Brachen oder Wegrändern. Auch wenn Kleinstrukturen wie zum Beispiel liegendes Totholz oder Steinhaufen weggeräumt werden, gehen wichtige Bestandteile des Lebensraumes verloren.

Förderungsmöglichkeiten:
  • naturnahe, ausufernde Wald- und Waldwegränder erhalten
  • naturnahe Waldbewirtschaftung
  • traditionelle Bewirtschaftung von Bergwäldern und Alpweiden weiterführen
  • Kleinstrukturen fördern (Lesesteinhaufen, Lesesteinwälle, Trockenmauern, Holzhaufen, usw.)

Beobachtungstipp

Die Waldeidechse ist vergleichsweise einfach zu beobachten. An warmen, aber nicht zu heissen Tagen findet man sie auf vielen steinigen Alpweiden und Berghängen, die mit Felsen oder Geröll durchsetzt sind. Gerne sonnen sich die Tiere auf Steinen oder Holz. Die Fluchtdistanz kann jedoch recht hoch sein, sodass man sich behutsam nähern sollte.

Wenn Sie Waldeidechsen beobachten, so melden Sie Ihren Fund bitte an das Schweizer Zentrum für die Kartografie der Fauna (CSCF).

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