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Totholzdynamik

Baumstrünke
Der natürliche Lebenszyklus des Waldes wird von der Holznutzung beeinflusst. Dies führt in der Regel zu einem Mangel an Alt- und Totholz. Für die Erhaltung der xylobionten Arten sind aber nicht nur ausreichende Mengen an Totholz und genügend alte Bäume wichtig, entscheidend ist vor allem auch die zeitliche Kontinuität und die räumliche Vernetzung des Alt- und Totholzes.
Foto: Thomas Reich (WSL)

Die Holznutzung verändert den Lebenszyklus des Waldes. Einerseits erfolgt die Nutzung der Bäume weit vor ihrer biologischen Alterung. Andererseits wird der im Holz enthaltene Kohlenstoff aus dem Wald transportiert, wodurch sich der Kohlenstoffkreislauf und die Bodenfruchtbarkeit langfristig verändern.

Für die Erhaltung der Vielfalt an saproxylischen Arten stellt in erster Linie der Mangel an alten Bäumen und an Totholz ein Problem dar. Das ist naheliegend, weil es den von Totholz abhängigen Arten schlicht am geeigneten Lebensraum fehlt. Betrachtet man eine genügend grosse Fläche eines Naturwaldes, so sind Alt- und Totholz in ausreichendem Mass vorhanden. Natürliche Wälder weisen typischerweise einen hohen Grad an zeitlicher Kontinuität und starker räumlicher Vernetzung von alten Bäumen und Totholz auf. Einfach gesagt: In grossflächigen mitteleuropäischen Naturwäldern gibt es jederzeit genügend alte Bäume und ausreichende Mengen Totholz.

Wenn im Wirtschaftswald die zeitliche Kontinuität oder die räumliche Vernetzung des Alt- und Totholzes unterbrochen wird, können vor allem anspruchsvolle, wenig mobile Arten langfristig nicht überleben, da sie auf Ressourcen angewiesen sind, die genau ihren ökologischen Anforderungen bezüglich physikalisch-chemischer Eigenschaften entsprechen (z.B. ein ganz bestimmtes Abbaustadium einer einzigen Baumart). Weil sich vermoderndes Holz laufend verändert, sind die Arten gezwungen umzusiedeln, sobald ihr bevorzugtes Substrat nicht mehr verfügbar ist.

Bis heute wurden im Schweizer Wald durch die zeitweise auch intensive Bewirtschaftung zwar noch keine Totholzarten nachweislich ausgerottet, jedoch haben die Populationen vieler Xylobionten stark abgenommen und nicht wenige Arten sind gefährdet.  Deshalb ist es wichtig, auch in möglichst vielen bewirtschafteten Wäldern eine zeitliche Kontinuität und eine gute räumliche Vernetzung von alten Bäumen und Totholz sicherzustellen. Zur konkreten Umsetzung finden Sie praktische Empfehlungen.

saproxylisch
sapro- = faulig, xylos = Holz
saproxylische Arten sind von Alt- und Totholz abhängig

xylobiont
xylos = Holz, bios = Leben
also "das Holz bewohnend", "im Holz lebend" oder "Holzbewohner"