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Liegender Lärchenstamm in Hochstaudenflur: dieser Stamm bildet in den kommenden Jahren für junge Bäume praktisch die einzige Möglichkeit zu keimen und aufzuwachsen. Foto: Ulrich Wasem (WSL) |
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Totholz beeinflusst das Mikroklima. Die frühe Ausaperung verlängert die Vegetationszeit. Foto: Elmar Hauk (BFW Wien) |
Die Verjüngung auf Totholz hat
vor allem in Gebirgswäldern eine grosse Bedeutung. Im Bergwald ist die
natürliche Waldverjüngung oft erschwert: neben den harschen Wetterbedingungen
(Temperatur, Schnee) spielen auch Hochstauden, Zwergsträucher, dichter Graswuchs
oder stark vernässte Böden eine wichtige Rolle.
In diesen Lagen sind kleinstandörtliche
Unterschiede bezüglich Besonnung, Relief, Vegetationskonkurrenz oder Wilddruck
die entscheidenden Faktoren, ob die Waldverjüngung innert der gewünschten Zeit
aufkommt oder nicht. Auf besonders verjüngungsfeindlichen
Standorten ist totes Holz oftmals als Keimsubstrat für Baumsamen unerlässlich.
Wurzelteller, Baumstrünke und aufgerissene Stellen im Stamm sind besonders günstige Kleinstandorte für die Verjüngung. Langfristiges Überleben ist aber erst auf Holz möglich, das seit mindestens 15 bis 30 Jahren auf dem Boden liegt und schon recht stark zersetzt ist. Ist das Holz zu frisch, sterben die Keimlinge meist infolge Trockenheit wieder ab. Das gezielte Liegenlassen von Totholz als Keimbett für die Verjüngung sollte deshalb langfristig geplant werden.
Älteres, angemodertes
Totholz ist ein ausgezeichnetes Keimbett. Es liefert den Jungpflanzen
Nährstoffe und schützt sie durch seine Fähigkeit Wasser zu speichern gegen
Trockenheit. Durch die erhöhte Lage sind die kleinen Bäumchen dem
Konkurrenzdruck durch Pflanzen (Gräser, Hochstauden, etc.) weniger ausgesetzt
und vor Schneegleiten weitgehend geschützt.
Totes Holz hat auch einen wesentlichen
Einfluss auf die unmittelbare Umgebung. Besonders im Frühling ist das gut
sichtbar, wenn der Schnee um liegende Stämme und Baumstrünke schneller ausapert
als auf den umgebenden Flächen. Dadurch sind die Bäume auch weniger anfällig für Schwarzen Schneeschimmel (Herpotrichia juniperi). Dass Holz ein guter Wärmespeicher ist, merkt
unter anderem auch die Waldeidechse.
Besonders grosse Bedeutung
hat die Totholzverjüngung in montanen und subalpinen Fichtenwäldern mit starker Konkurrenzvegetation (z.B. Piceo-adenostyletum). Verschiedene
Baumarten verjüngen sich dort auf totem Holz, allen voran aber die Fichte. Bei
der Hauptbaumart in den Schweizer
Bergwäldern ist der Ansamungserfolg auf Moderholz deutlich grösser als
daneben. Es gibt aber auch zahlreiche Fichtenwaldgesellschaften mit wenig ausgeprägter Krautpflanzenschicht, wo die Verjüngung auf Moderholz nicht entscheidend ist.
Im Gegensatz zu anderen guten Kleinstandorten für die Fichtenverjüngung
(zum Beispiel Mineralerde)
kann Moderholz über eine lange Dauer, oft während Jahrzehnten, ein günstiges Keimbett sein. Verschiedene
Untersuchungen haben gezeigt, dass teilweise über die Hälfte aller jungen
Fichten im Gebirgswald auf Totholz wachsen. Diese Tatsache ist in vielen Bergwäldern auch noch nach Jahrzehnten sichtbar, wenn die Stämme, auf denen die Bäume keimten, schon längst vermodert sind. Die Wurzeln wirken in extremen Fällen wie Stelzen, auf denen die alte Fichte steht. Solche Bäume werden "Stelzenfichten" genannt.
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Fichten keimen auffallend häufig auf totem Holz. In Fichtenwäldern ist Totholz deshalb besonders wichtig für die Waldverjüngung. Foto: Ulrich Wasem (WSL) |
So könnte die gleiche Fichte 30-40 Jahre später aussehen. Wenn der Baumstrunk einmal ganz verfault ist, steht die Fichte wie auf Stelzen. Foto: Thomas Reich (WSL) |