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Totholz und Naturgefahren

Wiederbewaldung am Gandberg
Nach Stürmen und Borkenkäferbefall schützt das stehende und liegende Holz noch einige Jahr-
zehnte vor Lawinen oder Steinschlag. In vielen Fällen übernimmt die neue Baumgeneration allmählich diese Schutzfunktion, aber nicht immer.
Foto: Walter Schönenberger (WSL)
 
Felsblock
Ein liegender Stamm hat diesen grossen Felsbrocken aufgehalten.
Foto: Ulrich Wasem (WSL)

Ein Waldbestand schützt vor Naturgefahren, indem er lose, den Hang herunterkommende Steine aufhält oder Lawinenanrisse und Bodenerosion verhindert. Diese wertvollen Dienste erfüllen jedoch nicht nur lebende Bäume, auch totes Holz vermag vor Naturgefahren zu schützen.

Auf dem Boden liegende Baumstämme, Stümpfe und Wurzelballen von umgestürzten Bäumen halten den Boden zusammen und helfen so, Bodenerosion bei Starkregen zu verhüten. Auch Schnee und Steine werden von solchen Hindernissen aufgehalten. Besonders quer zum Hang liegende dicke Stämme bilden eine wirksame Sperre (siehe Foto).

In Gebirgswäldern mit dichter Krautvegetation erleichtert liegendes Totholz die natürliche Verjüngung des Waldes (Verjüngung auf Totholz), was das Aufkommen einer neuen Schutzwaldgeneration fördert und die Waldstruktur diversifiziert. Forschungen haben gezeigt, dass ein durch Borkenkäfer abgestorbener Fichtenwald unter bestimmten Umständen solange vor Steinschlag, Lawinen und Erosion schützt, bis die neue Baumgeneration diese Funktion übernimmt.

Auch nach Windwurf zeigt sich ein ähnlicher Effekt: wird ein funktionsfähiger Schutzwald durch einen Sturm geworfen, geht dadurch die Schutzwirkung gegen Lawinenanrisse und Steinschlag vorerst nicht verloren, sondern verbessert sich sogar. Auf einer ungeräumten Fläche helfen die zahlreichen Oberflächenstrukturen aus Holz, Lawinenanrisse zu verhindern und lockeres Gestein aufzuhalten. Man kann davon ausgehen, dass das zerfallende Holz für einige Jahrzehnte einen ähnlichen Schutz bietet wie der Wald.

In hohen Lagen dauert die Wiederbewaldung aber oft lange. Es besteht dort die Gefahr, dass in ungünstigen Fällen etwa 20 bis 50 Jahre nach einem flächigen Absterben des Waldes eine zeitliche Lücke ohne genügenden Schutz entsteht. Zudem ist die Wirkungshöhe des liegenden Totholzes in schneereichen Gebieten oft nicht ausreichend, um Lawinenanrisse zu verhindern. Man sollte sich deshalb nicht "blind" auf die Schutzfunktion des Totholzes und des neu aufkommenden Waldes verlassen.

Trotzdem macht es aus den oben erwähnten Gründen Sinn, auch im Schutzwald Holz liegen zu lassen, um die Schneedecke zu stabilisieren, Gestein vor dem Abrutschen zu bewahren und die Verjüngung in montanen und subalpinen Nadelwäldern zu begünstigen. Selbstverständlich sollte man in jedem Einzelfall separat beurteilen, wieviel Totholz toleriert werden kann. Bei frischem, nicht entrindetem Fichtenholz besteht die Gefahr einer Massenvermehrung von Borkenkäfern. Auch an sehr steilen Hängen, im Bereich von Lawinenzügen und Runsen sowie an Fliessgewässern ist erhöhte Vorsicht geboten, weil dort das Holz abrutschen oder mitgerissen werden kann.

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